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Rezepte standardisieren in der Gastronomie: warum Excel irgendwann kippt

Von Trolevo · Veröffentlicht · Aktualisiert · 10 Min. Lesezeit

Zwei Köche, dasselbe Rezept, zwei verschiedene Teller. Der eine schöpft grosszügig, der andere hält sich an die Karte, und am Monatsende stimmt der Wareneinsatz nicht mit der Kalkulation überein. Die übliche Erklärung lautet, man müsse das Personal besser einarbeiten.

Meistens stimmt das nicht. Wenn dasselbe Gericht je nach Schicht anders herauskommt, liegt das selten daran, dass jemand nicht kochen kann, und fast immer daran, dass nirgends steht, was «richtig» überhaupt heisst.

Dieser Artikel zeigt, was ein Rezept standardisiert macht, was dafür wirklich aufgeschrieben werden muss und warum die Excel-Tabelle, mit der fast jeder Betrieb anfängt, ab einer bestimmten Grösse nicht mehr trägt.

Was ist ein standardisiertes Rezept?

Ein Rezept ist standardisiert, wenn dasselbe Gericht herauskommt, unabhängig davon, wer es kocht und an welchem Tag.

Das klingt banal, ist aber die Umkehrung dessen, was die meisten Vorlagen tun. Die definieren ein standardisiertes Rezept über sein Aussehen: möglichst viele Zutaten, möglichst genaue Gramm. Das beschreibt ein Formular, kein Ziel. Und es erklärt, warum so viele sorgfältig ausgefüllte Rezeptblätter trotzdem nichts verändern.

Vom Ergebnis her gedacht sind es vier Grössen, die festlegen, ob zweimal dasselbe herauskommt:

  1. Die Ansatzgrösse. Wie viele Portionen ergibt der Ansatz? Ohne diese Zahl ist jede Mengenangabe unlesbar, weil niemand weiss, worauf sie sich bezieht.
  2. Die Menge pro Portion. Die einzige Grösse, die gleichzeitig den Teller und die Kalkulation festlegt.
  3. Die Arbeitsschritte, die das Ergebnis verändern. Nicht alle Schritte. Ob das Fleisch portionenweise oder auf einmal in die Pfanne kommt, entscheidet über die Kruste; ob man die Zwiebeln vorher oder nachher schneidet, entscheidet über nichts.
  4. Der fertige Teller. Wie das Gericht aussehen und sich verhalten soll, wenn es stimmt.

Ein Rezept mit fünfzehn exakten Gewichtsangaben und ohne Portionenzahl ist nicht standardisiert. Eines mit vier Angaben und einer klaren Ansatzgrösse ist es. Gemeint sind dabei immer die Netto-Mengen, also das, was nach dem Rüsten übrig bleibt und tatsächlich auf den Teller kommt; wie man von der Einkaufsmenge dorthin rechnet, steht im Artikel über Rüstverlust und Ausbeute.

Woran merken Sie, dass Ihre Rezepte nicht standardisiert sind?

An vier Symptomen. Einzeln schreibt man jedes davon dem Personal zu, zusammen sind sie ein Systemproblem.

Dasselbe Gericht fällt je nach Schicht anders aus. Der Klassiker, und der Einzige, den alle bemerken. Er wird gemeldet als «der schöpft zu grosszügig», selten als «wir haben nie festgelegt, wie viel drauf soll».

Der Food-Cost bewegt sich, ohne dass sich ein Einkaufspreis bewegt hat. Das ist das ehrlichste Signal, weil es sich nicht wegdiskutieren lässt. Wenn die Lieferantenpreise stehen und die Prozentzahl trotzdem wandert, wandert die Portion. Was die Kennzahl sonst noch bewegt, steht im Artikel über den Food-Cost-Prozentsatz.

Ein neuer Koch braucht wochenlang jemanden neben sich, obwohl er kochen kann. Fachlich ist er bereit, an Tag eins. Was ihm fehlt, ist nichts Handwerkliches, sondern die Information, wie dieser Betrieb dieses Gericht macht. Die steht in ein paar Köpfen, und deshalb kostet jede Einarbeitung nicht nur den Neuen Zeit.

Auf die Frage, welche Version gilt, gibt es keine schnelle Antwort. Es existieren eine Datei auf dem Küchenrechner, ein Ausdruck an der Wand und eine Fassung, die jemand nach der letzten Preisrunde angepasst hat. Welche davon ist die richtige? Wenn es dafür ein Telefonat braucht, gibt es keine.

Wer zwei dieser vier wiedererkennt, hat kein Personalproblem.

Was gehört auf eine Rezeptkarte, und was nicht?

Weniger, als die meisten Vorlagen verlangen. Dafür eine Zeile, die fast alle vergessen.

So könnte eine Karte aussehen, hier für ein Rindsvoressen mit Teigwaren. Gestrichen wird, was bei Ihnen nicht vorkommt:

FeldBeispielWarum es draufgehört
Gericht und AnsatzgrösseRindsvoressen, Ansatz für 20 PortionenOhne Portionenzahl ist jede Menge unlesbar
Menge pro Portion160 g Fleisch, 200 g Sauce, 120 g TeigwarenLegt Teller und Kalkulation gleichzeitig fest
Zutaten mit Netto-MengenRindsschulter 3,2 kg gerüstet, Rüebli 800 g …Netto, nicht Einkaufsmenge: die Ausbeute steckt schon drin
Grundrezepte als Verweis«Sauce: Grundrezept Rotweinsauce, 4 l»Der Punkt, an dem Kopieren später weh tut
Nur ergebnisrelevante Schritte«Fleisch trocken tupfen, portionenweise anbraten»Nicht das ganze Kochbuch, nur was das Ergebnis verändert
Der fertige Teller«Sauce nappierend, Fleisch zerfällt auf Druck»Die einzige Zeile, die Konsistenz zwischen zwei Köchen herstellt
Wer, wann«M. Keller, 12.03.»Macht die Versionsfrage beantwortbar

Diese Rezeptkarte als Vorlage zum Ausfüllen. Zwei Dateien, direkter Download, kein Login, keine E-Mail-Adresse:

Die Zeile «Der fertige Teller» ist die, die in fast keiner Vorlage steht und die am meisten bringt. Mengen kann man abwiegen; ob die Sauce nappierend ist, kann man nur beschreiben. Genau daran erkennt der neue Koch, ob er fertig ist.

Ebenso wichtig ist, was nicht auf die Karte gehört. Der Einkaufspreis nicht, denn er ändert sich unabhängig vom Rezept und macht die Karte an dem Tag falsch, an dem der Lieferant die Preisliste anpasst; er gehört in die Kalkulation. Die Nährwerte nicht, weil sie kein Betrieb dieser Grösse pflegt. Die vollständige Schrittfolge nicht, denn die Karte ist kein Kochbuch für jemanden, der nicht kochen kann. Und die Allergene nicht als eigene Spalte, denn die stehen in der Allergen-Matrix; wer sie an zwei Orten führt, pflegt am Ende keinen davon.

Die Regel dahinter: auf die Karte gehört, was das Ergebnis festlegt. Alles, was sich unabhängig vom Rezept ändert, gehört woandershin.

Damit stehen drei Dokumente nebeneinander, die regelmässig verwechselt werden:

RezeptkarteAllergen-MatrixKontaminationsblatt
Beschreibtein Gericht, vollständigalle Gerichte mal 14 Allergenedie Küche: Stellen und Massnahmen
BeantwortetKommt dasselbe heraus?Was ist drin?Was kann versehentlich hineingeraten?
Nachgeführt beiRezeptänderungRezept-, Produkt-, LieferantenwechselÄnderung an Gerät, Station oder Ablauf

Drei Dokumente, drei Auslöser. Wer sie in eine Datei presst, führt keines davon nach.

Warum scheitern Excel-Tabellen daran?

Für zwanzig Rezepte an einem Standort scheitern sie gar nicht. Da ist eine Tabelle die richtige Wahl, und wer etwas anderes behauptet, verkauft Software.

Sie kippen an einer einzigen Eigenschaft, und die hat nichts mit Rechnen zu tun. Excel rechnet einwandfrei. Das Problem ist, dass derselbe Wert an mehreren Orten steht und nichts diese Orte zusammenhält. Das zeigt sich auf drei Arten.

Das Grundrezept steckt in mehreren Gerichten. Die Rotweinsauce ist im Voressen, im Braten, in den Ravioli, im Tagesteller und im Cateringmenü. Ändert sich das Grundrezept, muss dieselbe Zeile in fünf Dateien geändert werden, von Hand, und jemand muss aus dem Gedächtnis wissen, welche fünf es sind.

Die Versionsfrage lässt sich nicht beantworten. Zwei Dateien, ein Ausdruck, eine angepasste Fassung im Mailanhang. Eine Tabelle weiss nicht, welche von ihnen die geltende ist, und sie kann es auch nicht wissen.

Die vergessene Stelle meldet sich nie. Das ist der unangenehmste Teil. Ein Rechenfehler zeigt sich, weil das Ergebnis absurd aussieht. Eine Zutat, die in vier von fünf Dateien geändert wurde, sieht überall korrekt aus. Die fünfte ist ab sofort still falsch und bleibt es, bis jemand zufällig darüber stolpert.

Das ist kein Qualitätsurteil über Excel, sondern eine Aussage über die Bauart: eine Tabelle ist ein gutes Dokument und ein schlechtes System. Als Dokument hält sie ein Rezept sauber fest und lässt sich weitergeben. Als System soll sie mehrere Wahrheiten synchron halten, und dafür ist sie nie gebaut worden.

Was das konkret kostet, lässt sich am eigenen Betrieb ausrechnen. Die Rotweinsauce steckt in fünf Gerichten. Der Lieferant ändert die Rezeptur des Bratenfonds: fünf Stellen. Führen drei dieser fünf Gerichte je eine Sommer- und eine Winterversion, sind es acht. Der Punkt ist nicht die Zahl, sondern dass sie mit dem Sortiment wächst und die Zeit, sie nachzuführen, nicht.

Wie führen Sie Standardisierung ein, ohne die Küche lahmzulegen?

Mit zehn Rezepten. Nicht mit der Karte.

Der übliche Rat lautet, alle Gerichte zu erfassen, und genau daran scheitert jedes solche Projekt. Auf jeder Karte steht eine lange Reihe von Gerichten, die kaum je bestellt werden, und wer vorne anfängt und alphabetisch weitermacht, hört irgendwo bei den Vorspeisen auf.

Der Einstieg, der hält, ist enger. Zehn Gerichte, die den Umsatz tragen. Ein Nachmittag. Aufgeschrieben von der Person, die sie tatsächlich kocht, und zwar an der Station im laufenden Betrieb, nicht am Schreibtisch aus dem Gedächtnis. Am Schreibtisch entsteht das Rezept, das man gerne hätte; an der Station entsteht das Rezept, das der Betrieb wirklich macht, samt der Abkürzung, die seit zwei Jahren jeder nimmt.

Danach kommt die Ausbaustufe, und die geht wirklich darüber hinaus: der Rest der Karte, Gericht für Gericht, wenn ohnehin daran gearbeitet wird. Grundrezepte als eigene Einheiten, auf die die Gerichte verweisen, statt als kopierte Blöcke in jeder Datei. Ein fester Auslöser für die Nachführung, damit sie nicht vom Zufall abhängt. Und die Verdrahtung mit der Kalkulation und der Allergen-Matrix, damit eine Änderung an einem Ort nicht stille Fehler an anderen erzeugt.

Wer nur die zehn macht und dort aufhört, hat den grösseren Teil des Nutzens. Wer mit allen anfängt, hat irgendwann eine halb gefüllte Vorlage und die Überzeugung, dass Standardisierung nichts bringt.

Was passiert, wenn sich ein Rezept ändert?

Es ändert sich nie nur das Rezept. Vier Dinge verschieben sich gleichzeitig.

Die Kalkulation, weil eine geänderte Menge den Wareneinsatz pro Portion verschiebt und damit die Prozentzahl, auf die der Betrieb steuert (Food-Cost). Die Allergenangabe, weil eine neue Zutat oder ein neues Fertigprodukt die Deklaration ändert, und bei verschachtelten Rezepten zieht eine geänderte Grundzutat jedes Gericht mit, in dem sie steckt (Allergen-Matrix). Die Ausbeute und mit ihr die Portionenzahl, sobald sich ein Zuschnitt oder ein Garverfahren ändert (Ausbeute). Und schliesslich das, was der Gast liest, auf der Karte oder am Schild (Deklaration).

Genau deshalb lässt sich Standardisierung nicht als Dokumentationsaufgabe abarbeiten. Ein Ordner mit vollständigen Rezeptkarten ist am Tag seiner Fertigstellung korrekt und danach jeden Tag ein bisschen weniger. Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Werte aufgeschrieben sind, sondern ob sie miteinander verbunden sind.

Wie behält man das im Griff, wenn aus zehn Rezepten hundert werden?

Ab dem Punkt, an dem ein Grundrezept in mehreren Gerichten steckt, wird das Nachführen zur eigentlichen Arbeit. Genau dafür bauen wir Trolevo.

Rezepte liegen dort mit verschachtelten Unterrezepten: das Grundrezept existiert einmal, und die Gerichte verweisen darauf, statt es zu kopieren. Ändern Sie die Rotweinsauce, ändert sie sich in jedem Gericht, das sie verwendet. Die Allergene aus allen Zutaten und Unterrezepten laufen automatisch in ein Allergen-Label pro Gericht zusammen, die Portionsskalierung rechnet den Ansatz auf jede Portionenzahl um, und die Kalkulation hängt an denselben Zahlen statt an einer zweiten Datei. Das hilft, die Kennzeichnungspflicht zu erfüllen; die Verantwortung für korrekte Angaben bleibt beim Betrieb.

Was es nicht tut, im Klartext: es schreibt Ihre Rezepte nicht auf, es entscheidet nicht, welche Arbeitsschritte bei Ihnen das Ergebnis verändern, und es ersetzt die zehn Rezepte aus dem Abschnitt oben nicht. Die muss einmal jemand aufschreiben, der kochen kann.

Wenn Sie nur einen Ansatz auf eine andere Portionenzahl bringen wollen, reicht unser kostenloser Rezept-Skalierer. Trolevo selbst ist in Entwicklung – Early Access sichern.

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